Trondheim: Ein Stück vom guten Leben

Trondheim, die ehemalige Hauptstadt Norwegens, gilt als Wiege der norwegischen Küche und bietet zudem eine jugendliche Atmosphäre mit der größten Universität des Landes. Die wahren Attraktionen sind aber die Nähe zur umliegenden Natur und der wunderbar langsame Rhythmus, der in der Stadt vorherrscht.

Tipps für Ihre Reise nach Trondheim

Mit etwa 200.000 Einwohnern ist Trondheim die drittgrößte Stadt Norwegens. Sie war einst Landeshauptstadt, doch bei einem Bummel durch die Straßen wird dies nicht unbedingt deutlich. Es gibt keine großen Prachtstraßen, keine üppigen Paläste. Stattdessen liegt die Schönheit Trondheims in ihrem Minimalismus. Bunte Speicherhäuser, ein übersichtliches, aber zum Teil verkehrsberuhigtes Stadtzentrum und hunderte Boote, die auf dem Wasser ankern, sorgen für ein angenehmes Stadtbild. Am verführerischsten ist der Blick auf die unendliche Wildnis rund um die Stadt: Bewaldete Hügel im Westen und das tiefe Blau des Fjords im Norden.

Der Koffeinkick

Das Nationalgetränk Norwegens ist Kaffee. Wenn man durch die Städte des Landes spaziert, passiert man dabei unendlich viele Cafés an jeder Ecke. Beim weltweiten Kaffeekonsum liegt Norwegen an zweiter Stelle gleich hinter Finnland. Die Einheimischen nehmen den Kaffeegenuss sehr ernst. Viele von ihnen trinken bis zu vier oder fünf Tassen pro Tag. Jeder hat sein Lieblingscafé. Dabei kann es sich um eine angesagte Bar mit faszinierendem skandinavischem Design handeln,  oder um ein traditionelleres Kaffeehaus mit plüschigen Kissen, Antiquitäten und Kreuzstich-Handarbeiten an den Wänden. Doch der allerwichtigste Faktor hierbei ist natürlich der Kaffee. Woher stammen die Bohnen? Wie wurden sie geröstet? Wie wurden sie getrocknet? Das alles ist ein großes Thema.

In Trondheim erlebt man den Puls der Stadt wahrscheinlich am besten, wenn man seine Zeit in einem Café vertrödelt. Hier kann man wunderbar Leute beobachten: Studenten kämpfen sich durch dicke Arbeitshefte, während draußen Menschen in Wanderkleidung auf dem Weg in die Natur und einen Tag voller Abenteuer vorbei spazieren. Und dann wäre da natürlich das sanfte Wiegenlied Skandinaviens: Das Zischen der Kaffeemaschine, das Klappern der Tassen auf den Untertassen, das Aufschäumen der Milch und das Knarren der Dielen in den historischen Gebäuden. Dies ist die schönste Art und Weise, einen Tag in Trondheim zu beginnen.

Eines der beliebtesten Cafés der Stadt ist Sellanraa Bok & Bar (sellanraabar.no) im Zentrum von Trondheim. Es fungiert gleichzeitig als Restaurant und bietet einfache Gerichte aus der Region an, die perfekt zubereitet werden. Die Wände werden von Bücherregalen gesäumt, so dass man immer eine Lektüre findet, während man den Kaffee genießt oder auf das Essen wartet. Und wenn man ein Buch besonders gerne mag? Alle Bücher sind auch käuflich zu erwerben.

Wer nach der authentisch skandinavischen Atmosphäre sucht, sollte in Mormors Stue vorbeischauen. Sie befindet sich in einem Gebäude von 1840 und katapultiert einen direkt in eine andere Zeit. Gemütliche, wild durcheinandergewürfelte Sessel dominieren den Raum, während das Ambiente von mit Rüschen besetzten Vorhängen und Antiquitäten abgerundet wird. Für jeden Geschmack gibt es hier den richtigen Kaffee. Und nachdem man genug Energie getankt hat, wird es Zeit, die Straßen zu erkunden.

Die moderne skandinavische Küche

Eine kulinarische Reise durch Trondheim beginnt man am besten damit, die traditionelle Küche zu probieren. Neben der alten Brücke liegt das Restaurant Baklandet Skydsstasjon. Auf der Speisekarte mit klassischen norwegischen Gerichten stehen ein paar Leibspeisen wie Fischsuppe, Roggenbrot und Leberpastete. Die Inneneinrichtung ist ebenso traditionell. Die Holzwände sind in einem sanften Mintgrün gestrichen, Kreuzstich-Stickereien hängen an der Wand, Bilder der norwegischen Königsfamilie und weiche Kissen sorgen dafür, dass man das Gefühl hat, auf dem Sofa einer gastfreundlichen norwegischen Großmutter zu sitzen.

Wer es lieber moderner mag, sollte das angesagte Viertel Solsiden am Ostufer des Flusses oberhalb von Bakklandet besuchen. In die alten Industriegebäude aus Backstein rund um die ehemaligen Werften der Stadt ist eine bunte Vielfalt an Restaurants und Bars eingezogen, die sich mit ihren großen Außenterrassen wunderbar für einen Besuch an verträumten Sommertagen eignen. Besonders bei Studenten beliebt ist Sot Bar & Burger. Hip Hop dröhnt über die Außenterrasse, während alte Folgen der Looney Tunes gezeigt werden. Es gibt sogar einen Super Nintendo, um sich an ein paar Retrospielen zu versuchen. Die Burger sind kreativ, einfallsreich und köstlich.

In Trondheim gibt es drei mit Michelin Sternen ausgezeichnete Restaurants. Speilsalen, Fagn und Credo. Und dann wären da noch unzählige weitere, zum Beispiel Bula Neobistro. Küchenchefin Renée Fagerhøi beschreibt es als ‚die rebellische kleine Schwester der Trondheimer Restaurantszene‘ und die Speisekarte ist mit all dem Junk Food gespickt, das sie als Kind toll fand. Von Cheeseburgern und Schweineschwarten bis hin zu Hot Dogs, jedes Gericht ist so gestaltet, dass man auf angenehme Weise überrascht wird. Rock‘n‘Roll Küche auf die feine Art.

Käpt‘n Ahoi

Eine tolle andere Möglichkeit, um Trondheims schönste Seite zu erkunden, ist auf dem Wasser. Trondheim by Boat bietet verschiedene Stadttouren an, zum Beispiel mit einer Wikinger-Barkasse auf dem Fluss. So kann man die Schönheit von Trondheim und seiner Umgebung auf besondere und traditionelle Weise genießen – so wie die Norweger vor langer Zeit.

Bei einer Flussfahrt sieht man außerdem die schönen bunten Speicherhäuser, die das Ufer säumen. Während man unter den Brücken hindurch segelt, erwartet einen der herrliche Ausblick auf die Festung auf dem Hügel und natürlich den Nidarosdom.

Zurück im Hafen sieht dann alles wieder etwas moderner aus. Trondheim kann auf eine lange Geschichte zurückblicken, heute ist es aber vor allem die Technologiehauptstadt Norwegens. Als erste Stadt landesweit erhielt sie ein 5G-Netzwerk und dank der Universität für Naturwissenschaft und Technik gibt es hier eine Menge Forschungsprojekte in den Bereichen Mathematik, Naturwissenschaften und Technik. Das neueste architektonische Wunder der Stadt ist unten am Wasser nicht zu übersehen: Das Powerhouse. Das windschnittige schwarze Gebäude produziert 30 % mehr Energie als es verbraucht und ist damit das nördlichste Gebäude mit positiver Energiebilanz der Welt. Die überschüssige Energie wird aktuell dafür verwendet, die Elektrobusse der Stadt zu laden. Nebenan befindet sich ein weiteres architektonisch faszinierendes Gebäude, das Rockheim Museum. Ein gewaltiger Block scheint über dem Gebäude zu schweben, in dem ein Museum untergebracht ist, das sich der Geschichte der norwegischen Musikszene seit den 50er Jahren verschrieben hat.

Auch eine Fahrt auf den Fjord ist hier möglich. Es stehen Fischertouren zur Verfügung, ebenso wie eine Fahrt zum Sonnenuntergang, um die sagenhafte Stimmung während der magischen goldenen Stunde einzufangen.

Am Rande der Wildnis

Was Trondheim ganz besonders anziehend macht, ist seine Nähe zur Natur. Wandern gilt als beliebteste Aktivität, sogar in der Stadt. Da wären zum einen die Flussufer und der Anstieg zur Festung, aber besonders interessant wird es auf den herausragenden Wegen außerhalb der Stadtgrenze.

Am besten eignen sich die mit Kiefern bewachsenen Hügel zum Wandern, die nach Westen vor den Toren der Stadt beginnen. Hier liegt auch das Bymarka Naturschutzgebiet, ein gewaltiger Wald voller Wanderwege, Flüsse, Seen und natürlich ein paar Restaurants, die man auf Munkholmen ansteuern kann, ein Inselchen nördlich von Trondheim. Dieses diente schon als Festung, als Kloster, als Gefängnis und auch als Hinrichtungsstätte. Einen Mietwagen braucht man hier nicht, denn die Umgebung ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen. Beispielsweise mit der historischen Straßenbahn, die bis an den Rande des Waldgebiets fährt und die Besucher an der Lian Station absetzt. Bis in die Stadt sind es nur 20 Minuten, aber es fühlt sich an, als wäre man in einer ganz anderen Welt. Hier gibt es einen wunderschönen See, einfache Zugänge zu Wanderwegen und natürlich ein gemütliches Restaurant, wo man Speisen und Kaffee genießen kann.

Nur ein kurzes Stück vom Zentrum entfernt in der anderen Richtung liegt die Lade-Halbinsel. Hierbei handelt es sich um ein ruhiges Wohngebiet, das direkt am Fjord liegt und den beliebten Ladestien-Weg zu bieten hat, der sich am Ufer der Halbinsel die Klippen hinauf und hinab schlängelt. Der Weg beginnt nur einen Kilometer vom Stadtzentrum entfernt und erstreckt sich insgesamt über acht Kilometer an der Küste entlang. An ein paar Punkten kann man bei gutem Wetter sogar Baden gehen oder einkehren und etwas essen oder einen Kaffee trinken. Im Sponhuset gibt es leckere Waffeln und Kaffee und im Ladekaia ein sättigendes Mittag- oder Abendessen. Alles in allem ist Trondheim ein Reiseziel, das seinen Besuchern beibringt, die Dinge langsam anzugehen und den Moment zu genießen – sogar mit so viel Kaffee im Blut.

 

Erfahren Sie mehr über Trondheim im  Baltic Outlook.

Text von James Taylor

 

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