Teneriffa: Eine Insel mit vielen Facetten

Die Baltic Outlook Journalistin Olga Dolina erkundet die Insel Teneriffa mit ihrer einzigartigen Schönheit und Vielfalt. Hier treffen wunderschöne Vulkanlandschaften, sagenhafte Sonnenuntergänge und Nebelwälder auf Sonnenbäder im Winter, Meerblick, Restaurants und ein vielfältiges Kulturangebot – das meiste davon an einem einzigen Tag.

Bis zu dem Moment, als ich den Flughafen verließ und auf den windigen, von schwankenden Palmen umgebenen Parkplatz trat, hatte ich keine Ahnung, was mich auf Teneriffa erwarten würde. Ich hatte mir darunter immer das perfekte Bild der All-Inclusive-Hotels, Surfer, Golfplätze und Freizeitparks für Familien vorgestellt. Doch bis zum Ende meiner Reise wurde mir klar, dass Teneriffa einige unerwartete und authentische Offenbarungen für mich bereithielt. Diese Insel des niemals enden wollenden Frühlings mit ihren vielen kulturellen Einflüssen blieb ihrem ungezähmten wahren Charakter stets treu. Wahrlich ein Ort mit vielen Facetten.

Atemberaubende Natur

In den 60er Jahren begannen sich in der rauen, steinigen und sandigen vulkanischen Landschaft im Süden Teneriffas unzählige All-Inclusive-Resorts anzusiedeln. Mir steht allerdings nicht der Sinn nach einem faulen Wochenende mit Sonne, Meer und Sangria, also besorge ich mir einen Mietwagen und begebe mich an die südwestliche Küste zu den majestätischen, 500 Meter hohen Klippen Los Gigantes und von da aus weiter an die nordwestliche Küste.

Währenddessen befindet sich der bekannteste Naturschauplatz Teneriffas zu meiner Rechten im Zentrum der Insel. Der Teide Vulkan ist mit seinen 3.718 Metern der höchste Punkt Spaniens. Ihn und den umliegenden Nationalpark muss man einfach besucht haben, ob mit der Seilbahn oder zu Fuß, am Tag oder in der Nacht, wenn der Himmel von Sternen überzogen ist. Es gibt kaum ein vergleichbar intensives Erlebnis in der Natur, als den Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang auf dem Teide zu beobachten. Am Naturpark Corona Forestal beginnt außerdem ein wunderschöner Wanderweg, der sich durch die so genannte Mondlandschaft schlängelt, die aus massiven Fels- und Sandformationen besteht – eine bizarre und märchenhafte Szenerie.

Meine Route führt mich allerdings durch den Teno Rural Park, 1.300 Meter über dem Meeresspiegel, mit seinen steilen Klippen, Wäldern, Tälern mit eindrucksvollen Kakteen und Blick auf das Meer – all das auf einer 30-minütigen Fahrt. Die kleinen, abgelegenen und in ihrer Form an eine Muschel erinnernden Strände mit ihrem schwarzen Vulkansand gefallen mir deutlich besser als die in den großen Badeorten. Der San Marcos Strand bei Icod de los Vinos zum Beispiel. Mit seinem unverfälschten Charme ist dieser Ort für seinen gewaltigen, 800 Jahre alten Drachenbaum bekannt. Dieses Wahrzeichen von Teneriffa wurde von dem alten Volk der Guanches vergöttert und seine Erzeugnisse für medizinische Zwecke verwendet.

Als ich mich dem Norden von Teneriffa nähere, beginnt sich die Landschaft direkt vor meinen Augen zu verändern. Im Vergleich zum pastellfarbenen, sandigen Süden herrschen im Norden saftig grüne Farben vor. Hier ist es auch ein paar Grad kälter und das Wetter kann sich im Laufe des Tages abrupt ändern, was auch der Grund dafür ist, warum sich die meisten Urlauber für das konstante Klima im südlichen Teil der Insel entscheiden.

Das Highlight meines Roadtrips ist die Anaga Halbinsel ganz im Nordosten der Insel. Mit ihren gewundenen Bergstraßen, Pfaden, Lorbeerhainen und Heidepflanzen ist die raue Anaga ein Paradies für Wanderer. Als ich aus dem Auto steige, atme ich tief den wohl am süßesten schmeckenden Sauerstoff meines Lebens ein. Die Luft ist von Energie erfüllt und frisch, sogar mein T-Shirt fühlt sich plötzlich kühl und feucht an. Ich gehe eine Runde Spazieren, verliere mich in den Tunneln aus Bäumen und auf den von Nebel umgebenen Hügeln. In diesem grünen Paradies gibt es verschiedene Aussichtsplattformen mit unverbautem Blick auf den Süden und El Teide. Im Anschluss setze ich, energiegeladen von der unberührten Natur, meinen Weg in Richtung der Hauptstadt von Teneriffa fort, um die moderne Seite der Insel zu entdecken.

Charmantes Stadtleben

Am Wochenende herrscht Ruhe auf den Straßen der Hauptstadt, Santa Cruz de Tenerife. Die Einheimischen tummeln sich an der Playa de Las Teresitas in San Andrés. Mit seiner wilden Felsenküste hat der nördliche Teil der Insel nur wenige sichere und familienfreundliche Strände zu bieten. Der 80 Meter breite Las Teresitas, der in den 70er Jahren mit 270.000 Tonnen weißem Sand aus der Sahara aufgeschüttet wurde, gilt als einer der schönsten der Gegend.

Ansonsten stellt Santa Cruz eine erfrischende Abwechslung zur Natur und Entspannung in Form von Kunst und Kultur dar. Die Stadt beeindruckt mit einer ganz eigenen Mischung aus Altem und Modernem und dem Gebäude der Kanaren, das wohl am meisten als Sinnbild dafür steht: Das Auditorio de Tenerife. Diese Konzerthalle wurde von dem visionären spanischen Architekt Santiago Calatrava entworfen und 2003 eröffnet. Das expressionistische Bauwerk in blendendem Weiß erinnert an eine Welle, ein riesiges Segelboot oder einen Vogelflügel, je nachdem aus welchem Winkel man es betrachtet. Hier finden Symphoniekonzerte und Opern sowie Vorführungen beim Filmfestival statt. Die Felsen, die zur Befestigung des Ufers unter dem Auditorium dienen, sind mit Porträts berühmter Musiker verziert worden, von Mozart und Brahms bis hin zu Mick Jagger.

Aerial view with Puerto de la Cruz, in background Teide volcano, Tenerife island, Spain

Doch auch das restliche Stadtbild von Santa Cruz kann sich sehen lassen, zum Beispiel die Plaza de España. 2008 wurde dem Platz ein gewaltiger türkisfarbener See mit Fontäne hinzugefügt, entworfen von den berühmten Schweizer Architekten Herzog & de Meuron. Zweifellos ein beliebter Ort für Selfies und Anziehungspunkt für Kinder. Das Architektenduo war auch für das in Beton und Glas gehaltene TEA verantwortlich, auch Tenerife Espacio de las Artes genannt. Hier gibt es eine Bibliothek und verschiedene große Ausstellungsräumlichkeiten, doch für mich bietet es vor allem willkommenen Schutz vor der Hitze des späten Nachmittags. Die Besucher erwarten die dynamischen und bizarren Gemälde des wohl unbekanntesten, aber dafür enorm talentierten spanischen Surrealisten Óscar Domínguez.

Idealerweise sind die meisten Museen der Stadt bis zum späten Abend geöffnet. Das Museum der Schönen Künste bietet ein herrliches Archiv an Werken aus dem Prado Museum mit bekannten spanischen und kanarischen Meistern. Kunst und Fotografie werden in der Hauptstadt aktiv im hundert Jahre alten Circulo de Bellas Artes und im riesigen Kunstzentrum La Recova auf dem ehemaligen Marktplatz dargestellt. Das Museo Municipal de Bellas Artes zeigt Landschaftsgemälde des lokalen Künstlers Valentín Sanz und impressionistische Stücke von Juan Rodríguez Botas. Das Espacio Cultural El Tanque ist ein ungewöhnlicher Ausstellungsort, der sich einem industriellen Ambiente verschrieben hat – ein Multimediabereich für Kunst und Musik in einem ehemaligen Lagertank einer Raffinerie.

Küche und Aromen von Teneriffa

Die kulinarische Landschaft Teneriffas unterscheidet sich vom restlichen Spanien. Natürlich gibt es auch hier das traditionelle Angebot, bestehend aus Tapas, Paella und Sangria, aber um ganz ehrlich zu sein, sollte man das den Küchen auf dem Festland überlassen. Da Teneriffa vom artenreichen Atlantik umgeben ist, muss man hier auf jeden Fall Fisch probieren. In den Restaurants wird eine umfangreiche Auswahl an Gerichten mit gegrilltem oder gedünstetem Fisch angeboten, ebenso wie frittierte Meeresfrüchte wie Chopitos (winzige Tintenfische).

Zwar stellt der Tourismusbereich mittlerweile die größte Branche im Süden von Teneriffa dar, die ursprüngliche Atmosphäre der kleinen Fischerdörfer ist aber nach wie vor spürbar. In Médano zieht der Duft von frisch mit Kräutern und Knoblauch zubereitetem Fisch von mittags bis in den späten Abend durch die engen Gassen. Das charmante, heruntergekommene rote Gebäude, in dem sich das Restaurant Playa Chica befindet, verfügt über eine Terrasse mit winzigen Tischen und einem uneingeschränkten Blick auf das Meer. Die herzhafte Fischsuppe und der gegrillte Fang des Tages sind immer zu empfehlen.

Die regionalen Spezialitäten spiegeln den lebhaften, erfüllten und bodenständigen Charakter der Insel wider. Das wohl beliebteste Gemüse der Gegend sind die Papas Arrugadas, kleine, schrumpelige Kartoffeln. Ursprünglich wurden sie für 12 Stunden in Meerwasser eingeweicht und anschließend gekocht. Heute gart man sie in der Regel einfach in Wasser mit Meersalz. Kartoffeln, Tomaten und Bananen gehören zu den häufigsten Zutaten der Inselküche, denn durch das ideale Klima können sie bis zu viermal im Jahr geerntet werden.

Die regionalen Spezialitäten spiegeln den lebhaften, erfüllten und bodenständigen Charakter der Insel wider. Das wohl beliebteste Gemüse der Gegend sind die Papas Arrugadas, kleine, schrumpelige Kartoffeln. Ursprünglich wurden sie für 12 Stunden in Meerwasser eingeweicht und anschließend gekocht. Heute gart man sie in der Regel einfach in Wasser mit Meersalz. Kartoffeln, Tomaten und Bananen gehören zu den häufigsten Zutaten der Inselküche, denn durch das ideale Klima können sie bis zu viermal im Jahr geerntet werden.

Ebenfalls typisch für Teneriffa sind die vielen Weinberge, die sich von den Tälern über schwer zu erreichende Hänge ziehen. 1496 wurden die Kanaren von Siedlern aus Spanien, Portugal und anderen Mittelmeerregionen kolonialisiert. Dabei handelte es sich hauptsächlich um Landwirte, die verschiedene Arten von Trauben mitbrachten. Diese Reben passten sich schließlich dem vulkanischen Boden und den unzähligen Mikroklimas an, so dass es heute über 30 Traubenarten in fünf Benennungen auf dem relativ übersichtlichen und rauen Anbaugebiet der Inseln gibt – einige von ihnen sind nirgendwo sonst auf der Welt zu finden. Listán Negro beispielsweise ist eine äußerst beliebte regionale Variante. Über 300 Jahre lang war der Wein das wichtigste Exportprodukt, wobei sich der Handel vor allem in britischer Hand befand. Der bekannteste und teuerste kanarische Wein der damaligen Zeit war der süße Malvasia, den selbst Shakespeare mit Vorliebe trank.

Ich probiere den aromatischen, trockenen und süßen Muscatel, der vollmundig und weich schmeckt, sowie den Listán Blanco, einen leichten und lebhaften, fruchtigen Weißwein. Mein Favorit ist jedoch der pure, junge Listán Negro aus dem Orotava-Tal mit seiner an lila Tinte erinnernden Farbe – er schmeckt würzig und kräftig, aber gleichzeitig sanft, mineralisch und locker.

Wer einen Energieschub braucht, sollte einen Barraquito, ein mehrschichtiges Kaffeegetränk mit Likör, probieren. Ich würde sogar so weit gehen, ganz Teneriffa mit diesem Getränk zu vergleichen. Die Insel hat viele Facetten: Entspannte, sonnenverwöhnte Strände so wie die Schicht Kondensmilch ganz unten im Glas, raue Landschaften, die an den kontrastgebenden Geschmack des bitteren Likörs in der Mitte erinnern, und obendrauf eine Schicht Kaffee, die für die energiegeladene Kraft des Meeres steht. Der kraftvolle Geschmack der Zitronenschale auf dem Barraquito ist das i-Tüpfelchen – so wie die Inselbewohner, die immer gerne ihre Geschichten mit den Besuchern teilen.

Erfahren Sie mehr über Teneriffa im  Baltic Outlook.

Text von Olga Dolina

 

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