13 interessante Fakten zum Mittsommerfest im Baltikum

In den baltischen Ländern (insbesondere in Lettland und Estland) hat das Mittsommerfest (Jāņi/Jaanipäev) einen Stellenwert wie der St. Patrick’s Day in Irland, der Nationalfeiertag in Frankreich oder das Oktoberfest in München. Zu Mittsommer finden im ganzen Baltikum am 23. Juni Feierlichkeiten anlässlich der kürzesten Nacht und des längsten Tages im ganzen Jahr statt. Eingefleischte Fans heidnischer Rituale begehen die traditionelle Sommersonnenwende sogar schon ein paar Tage früher. Alle anderen verbringen diesen landesweiten Feiertag am Lagerfeuer, trinken Bier und lauschen den beschwingten Volksliedern, die jedes Jahr zu diesem Anlass angestimmt werden. Kündigt sich Besuch an, ziehen die Balten jedoch stolz alle Register und präsentieren ihm alle denkbaren Bräuche. Wir haben versucht, die wichtigsten Eigentümlichkeiten rund um Mittsommer hier zusammenzutragen, damit Sie sich mental und körperlich auf dieses besondere Fest einstimmen können.

Ab aufs Land

Eigentlich muss man Jāņi in jedem Fall auf dem Land verbringen. Nur absolute Gegner und Leute ohne Freunde bleiben in der Stadt. An bestimmten Orten finden zwar organisierte, große öffentliche Veranstaltungen statt, doch wer Jāņi so authentisch wie möglich erleben möchte, begeht diesen Tag fernab von der Zivilisation. Es ist die einzige Ausnahme, die viele Städter machen, wenn es darum geht, den alten Bräuchen zu folgen und eins mit der Natur zu werden. Auch wenn das bedeutet, dass man in einem Zelt schläft, sich am Teich wäscht und am nächsten Morgen mit Mückenstichen im Gesicht aufwacht.

Das Bier

Viele Jāņi-Traditionen sind mit der Zeit in Vergessenheit geraten oder wurden abgewandelt, doch das Konsumieren von Bier hat sich mit den Jahrhunderten wacker gehalten. Ganz gleich, ob man es selbst gebraut, im Geschäft gekauft oder mit Whiskey und Cola verfeinert hat, zu Jāņi trinkt einfach jeder Bier. Es ist eine Frage der Ehre, mehr zu trinken als die eigenen Vorfahren. Die Evolution schreibt schließlich vor, dass es die Kinder besser machen als ihre Eltern, oder?

Festtafeln

Das traditionelle Jāņi-Menü besteht aus Käse mit Kümmelsamen und Fleisch oder Würstchen, die man aufspießt und über dem Lagerfeuer röstet, bis sie so richtig schön nach Asche schmecken. Oft finden kleinere Wettbewerbe unter den Feiernden statt, wer den aufregendsten Schaschlik mariniert oder den größten Käse zubereitet hat. Besonders wichtig ist aber, dass man mindestens dreimal so viel Essen mitbringt, wie man selber essen kann. Am nächsten Tag werden die Reste schließlich aufopferungsvoll in Boxen und Dosen verteilt, während man rätselt, was diese Speise ursprünglich darstellen sollte.

Kränze binden

Das Binden von Blumenkränzen, die man als Kopfschmuck aufsetzt, spielte im Baltikum schon eine wichtige Rolle, bevor die ersten Hippie und Hipster Kommunen auf diesen Zug aufsprangen. Die jungen Mädchen sitzen gemeinsam auf der Wiese und binden sich Kronen aus Blumen. In alten Zeiten dienten diese als Symbol der Jungfräulichkeit, heutzutage nehmen sie jedoch eher eine ästhetische Funktion wahr. Leute, die den Namen Jānis tragen, werden an diesem Tag mit einem besonderen Kranz aus Eichenblättern geschmückt, was jedoch eher weniger mit ihrer Jungfräulichkeit, sondern mit ihrer Sonderstellung zu diesem Anlass zu tun hat. Nach den Feierlichkeiten dürfen die Mädchen ihre Kränze hoch in eine Eiche werfen. Die Anzahl der Versuche zeigt ihnen, wie viele Jahres es wohl noch dauern wird, bis sie endlich heiraten. Was sich Mädchen halt so wünschen…!

Foto: kwierczynska & @inga.jed.

Ein Bad im Tau

Der Legende nach sollte man am Mittsommermorgen sein Gesicht in Tau waschen, um sich ewiger Schönheit und Gesundheit zu erfreuen. Möglicherweise sollen sich so aber auch einfach diejenigen nicht ganz so schlecht fühlen, die irgendwann nachts auf der Wiese eingeschlafen sind und morgens mit dem Gesicht im feuchten Gras aufwachen. Ein wenig Schönheit hat schließlich noch keinem geschadet.

Warten auf den Sonnenaufgang

Zu Jāņi geht niemand vor Sonnenaufgang ins Bett, sonst wird man im Laufe des kommenden Jahres von Müdigkeit und anderen Unpässlichkeiten verfolgt. Ehrlich gesagt ist es meist ziemlich weit hergeholt, dieses ehrenwerte Ziel als Erfolg für die Partywütigen am Lagerfeuer zu verzeichnen. Trotzdem gehört es mit dazu und manchmal kann die Zeit bis zum Sonnenaufgang ganz schön lange dauern!

Neckender Gesang

Die Balten kennen sich seit jeher mit Frotzeleien und Freestyle-Wetteifern ziemlich gut aus. Zu diesem Anlass wird die Neckerei gerne in Gesang verpackt, indem man einfach ein „līgo, līgo“ an jede Zeile hängt. Mittlerweile überspringen die meisten Feiernden das Singen jedoch, sondern legen gleich mit dem Necken los.

Jāņi-Kräuter

Die Balten sind große Freunde davon, die Gaben der Natur von Wald und Wiese zu sammeln und diese in Speisen, Kosmetikprodukte und Medizin zu verwandeln. Dem alten Glauben nach verfügen Pflanzen, die zu Jāņi auf den Wiesen blühen, über besondere Heilkräfte und verschönernde Eigenschaften. Deshalb schmückt man damit nicht nur den Kopf sondern auch andere Bereiche wie den Tisch, den Boden oder sogar das Bett. Die typischen Rosenblüten wie im Film haben gegen einen echten Jāņi-Blumenschmuck keine Chance.

Wenn der Farn blüht

Die armen baltischen Kinder glauben nicht nur an den Weihnachtsmann sondern auch an blühende Farne. Eigentlich ist diese „Farnblüte“, nach der man in der Mittsommernacht verzweifelt sucht, nichts anderes als intime Romantik. Mit anderen Worten: Die Suche nach einer besseren Hälfte. Die ahnungslosen Kinder stolpern zu Jāņi also durch die Wälder und halten nach etwas Ausschau, wofür sie streng genommen noch viel zu klein sind. Die Mittsommernacht gilt als äußerst fruchtbar Zeit voll sexueller Spannung und etwa neun Monate später finden im Baltikum ganz besonders viele Geburten statt. Man sollte aber auch nicht außer Acht lassen, dass dies an dem vielen Bier liegen könnte, das zu Jāņi konsumiert wird.

Nacktheit

Viele Traditionen rund um Mittsommer beinhalten, dass man sich auszieht… die alten Balten scheinen also echte Exhibitionisten gewesen zu sein. Hier ein paar Beispiele: „An Mittsommer sollte man nackt um das Feld rennen, um eine gute Ernte zu begünstigen“ oder „In der Mittsommernacht sollte eine Jungfrau sich ausziehen und einen Rosenkranz um den Kopf tragen. Wer sie fängt, wird ihr zukünftiger Ehemann.“ Die Traditionen variieren in den einzelnen Haushalten, aber man sollte sich zumindest beim nächtlichen Nacktbaden auf viel nackte Haut einstellen. Man sollte übrigens dringend mitmachen, sonst gilt man als unhöflich den Gastgebern gegenüber.

Ab in die Sauna

Als ob die Sommerhitze und das Lagerfeuer nicht schon genug wären, gehen die Balten am Mittsommerabend gerne in die Sauna. Hier vereint sich ihre Vorliebe gegenüber Nacktheit und vielen verschiedenen Pflanzen, denn aus den Baumerzeugnissen und Kräutern werden herrliche Saunaaufgüsse hergestellt. Eigentlich hat dieser Brauch aber nicht viel mit Jāņi zu tun, denn hier nutzt man eh jede Gelegenheit, um in die Sauna zu gehen. Sogar Geburtstage werden dort gefeiert.

Lagerfeuer

Das traditionellste Symbol des Mittsommerfestes ist das Lagerfeuer (knapp vor dem Bier). Wenn der Abend voranschreitet, legt so mancher Feierwütige seinen Grillspieß zur Seite und gibt sich der alten Tradition hin, über das Feuer zu springen. Niemand weiß ganz genau, woher diese Tradition kommt. Aber wen stört das schon? Es macht einfach zu viel Spaß. Ganz besonders, wenn es nicht perfekt klappt.

Der Kampf gegen die Mücken

Dies ist keine Tradition sondern das Schicksal.

Speziell für den airBaltic Blog verfasst von Anete Konste.

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